„In Osttirol kann ich am besten Kraft tanken“

Politik und Medien, eine Welt in der sich die gebürtige Osttirolerin Denise Aichelburg sichtlich wohl fühlt. Im Gespräch mit GÜNTHER HATZ gibt sie Einblick in ihr tägliches Arbeitsfeld.

HARPFE: Aichelburg ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus Kärnten mit Stammsitz Aichelburg und Verzweigung in der Krain, Görz und Gradiska, Steiermark, Niederösterreich, Böhmen, Ungarn und Italien. Was verbindet Sie mit Osttirol?
AICHELBURG: Die Liebe zur Natur und zu Grund und Boden. Die Bedeutung von Familie und Zusammenhalt. Das alles bedeutet mir viel. Auch gewisse Traditionen, Werte wie Freiheit und Respekt den Älteren gegenüber und der christliche Glaube und seine Bräuche. Auch wenn ich gerne in der Großstadt lebe, muss ich mindestens einmal in der Woche für ein paar Stunden ins Grüne.

HARPFE: Einer Ihrer ersten öffentlichen Auftritte in Ihrer Tiroler Heimat war vor Jahren in Begleitung von Frank Stronach. Haben Sie diese Begegnungen mit dem Austro-Kanadier geprägt?
AICHELBURG: Ich habe Frank Stronach als sehr liebenswürdigen, humorvollen aber auch dynamischen, fleißigen und nachdenklichen Menschen erlebt. Er ist meiner Meinung nach ja ein Philosoph. Leider konnten oder wollten ihn viele Menschen nicht verstehen, weil er sich in seiner alten Muttersprache nicht so gut ausdrücken kann. Das ist sehr schade. Ich habe eines von ihm gelernt: man kann alles erreichen, sofern man einen guten Plan hat und mit vollem Einsatz daran arbeitet.

HARPFE: Sie haben inzwischen das politische Parkett mit dem medialen getauscht. Sind Sie lieber eine Medienfrau als eine politische Quotenqueen. Tanzt es sich da leichter?
AICHELBURG: Ich habe nie eine politische Karriere angestrebt und hatte nie ein politisches Mandat inne. Es hat mich auch noch keine Partei zu 100 Prozent überzeugen können. Ich habe als PR -Fachfrau für die mediale Verbreitung der politischen Ideen über diverse Informationskanäle gearbeitet. Doch immer mit einem gewissen Abstand. Als Reporterin und jetzt als Moderatorin im TV ist ein gesunder Abstand ohnehin Grundvoraussetzung.

HARPFE: Servus TV, Ö24.TV, Sie berichten als Reporterin für private TV-Stationen aus den Abgründen der österreichischen Seele. Belastet Sie das als junge Frau nicht?
AICHELBURG: Ich bin bei jedem Mordfall erschüttert. Denn da zeigt sich: das Unheimlichste auf dieser Welt ist immer noch der Mensch selbst. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Januar 2017 in die Praterstraße in Wien musste, nachdem eine Familie von einem Afghanen mit einem Messer angegriffen und zum Teil tödlich verletzt worden war. Mein Kameramann und ich waren als erste am Tatort, der Mörder war noch flüchtig, überall heulten Polizeisirenen und Beamte in Zivil durchsuchten die umliegenden Häuser und Straßen. Da bekommt man schon ein eigenartiges Gefühl und das Adrenalin steigt.

HARPFE: Kritisch aber fair! Das ist Ihr Credo, zu lesen auf Ihrer Homepage. Spiegelt sich das in Ihren Reportagen wider?
AICHELBURG: Als guter Reporter sollte man kein Urteil fällen sondern objektiv berichten. Das klingt leichter als es tatsächlich ist. Aber genau diese Objektivität ist ein Messstein für guten Journalismus, den ich anstrebe. Für alles andere ist die Justiz da. Der Zuseher soll sich seine Meinung über das Geschehene selbst bilden. Das scheint leider nicht allen Medien in unserem Land ein Anliegen zu sein.

HARPFE: „Wilde Henn“, „frühe Rebellin“. Sie schreiben gute Essays. Setzen Sie sich mit der „modernen Frau“ auseinander?
AICHELBURG. Ich finde die Tirolerinnen sind ziemlich tough, das liegt in ihren Genen. Es ist gut, dass sich die Frauen viel Freiheit erkämpft haben und heute frei entscheiden können, wie sie ihr Leben führen möchten. Dennoch halte ich nichts von Frauenquoten, Posten sollen einzig aufgrund der Qualifikation und Eignung vergeben werden.

HARPFE: Welche Ziele haben Sie in Ihrer Karriere noch, vielleicht ein Comeback in der Politik?
AICHELBURG: Ich möchte in der Medienwelt bleiben, vielleicht eine künstlerische Richtung einschlagen. Doch die Politik wird mich sicher weiterhin beschäftigen, weil sie mich sehr interessiert.

HARPFE: Gibt es einen Kraftplatz in Osttirol, wo Sie für Ihren stressigen Beruf auftanken können?
AICHELBURG: Mein Elternhaus in Osttirol ist der Ort, an dem ich am besten Kraft tanken kann. Ein paar Tage mit viel frischer Luft, Spaziergängen im Wald und Arbeit im Garten und ich bin wieder voll aufgeladen.

HARPFE: Ihr Wunsch an das Christkind?
AICHELBURG: Ich wünsche mir, dass ich zusammen mit unserer Familie Weihnachten feiern und eine schöne Zeit verbringen kann. Dass alle gesund und munter sind.

ZUR PERSON:
NAME: Denise Aichelburg
GEBOREN: geboren in Wien,
aufgewachsen in Lienz
WOHNORT: Wien
STERNZEICHEN: Wassermann
HEIMAT: Osttirol, wo ich aufgewachsen bin und womit mich unzählige schöne Erinnerungen für immer verbinden werden.
LIEBLINGSBUCH: Dr. Schiwago von Boris Pasternak ist eine großartige und fesselnde Geschichte.
WAS ICH GAR NICHT MAG: Falschheit und Unfreiheit

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