"Ich kandidiere wieder!"

Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik ist nach ihrer zweijährigen Funktion an der Spitze der Tiroler SPÖ wieder im politischen Alltag in ihrer Heimatstadt angekommen. Im Gespräch mit Günther Hatz erzählt Blanik, wie sie damit umgeht und was sie bewegt hat.

HARPFE: „I mecht so gern landen, mecht in deiner Nähe bleiben . . .“ hat die Sängerin Maria Bill in einem Lied gesungen. Ist die Lienzer Bürgermeisterin nach ihrem politischen Ausflug an die Spitze der Tiroler SPÖ wieder in ihrer Heimat gelandet?
ELISABETH BLANIK: Lienz ist und war immer mein Schwerpunkt. Aber es stimmt, dass die letzten zwei Jahre besonders arbeitsintensiv waren. Meine Aufgaben als Bürgermeisterin und der Landtagswahlkampf mit mir als Spitzenkandidatin waren zeitlich und vom persönlichen Einsatz her äußerst herausfordernd! Denn es galt zeitgleich große Projekte wie das Mobilitätszentrum, die Schule Nord und die Neugestaltung des Lienzer Hauptplatzes zu entwickeln. Meine Lebensqualität hat sich jetzt sehr verbessert und ich habe wieder Zeit und Muse, neben der Arbeit für die Menschen in unserer Stadt und unserem Bezirk, unsere wunderbare Stadt mit all ihren Vorzügen zu genießen. Dies verbinde ich gerne mit vielen persönlichen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, um ihre Anliegen noch besser zu verstehen.

Bereuen Sie jetzt im Nachhinein, die Führung der SPÖ im Jahre 2016 übernommen zu haben?
BLANIK: Nein, es war eine sehr wertvolle und erfolgreiche Erfahrung. Ich möchte diese Zeit nicht missen. Immerhin habe ich viel gelernt, viel gesehen, war in jeder Stadt in Tirol, habe gesehen was dort gut funktioniert und dies für Lienz mitgenommen. Allerdings habe ich aber auch erkannt, in wie vielen Bereichen wir als Stadt und auch als Bezirk Vorbild für andere sein können. Und, nicht überraschend, habe ich noch mehr für mich erkannt, dass es bei uns am schönsten ist!

Sie wurden mit 92,78 Prozent zur Landesparteichefin gewählt, ihr Nachfolger Georg Dornauer am 2. März 2019 mit „nur“ 85 Prozent der Delegiertenstimmen. Zufrieden?
BLANIK: Ich bin zufrieden mit dem Vertrauen, dass die Parteimitglieder in mich gesetzt haben, ja! Das ist eine große Freude und auch Ehre. Ich habe es immer als meine Aufgabe und auch als meine Verantwortung gesehen, die jungen – und in der politischen Arbeit auf Landesebene – neuen Kandidatinnen und Kandidaten durch die Wahl zu führen und die erste Zeit im Landtag voranzugehen. Jetzt bin ich sehr glücklich darüber, dass sich der Kreis geschlossen hat und ich mich wieder mit voller Kraft für die Stadt und den Bezirk einsetzen darf.

In Lienz warten viele Aufgaben auf Sie. Was hat Priorität?
BLANIK: Derzeit natürlich die Umsetzung des Mobilitätszentrums, die Baubesprechungen mit der ÖBB sind voll im Gange. Parallel dazu sind wir gemeinsam mit den Sprengelbürgermeistern gerade dabei, die Schule Nord mit einem wettbewerblichen Dialog neu zu strukturieren und zu sanieren. Die Umsetzung sollte 2021 bzw. 2022 gelungen sein. Die Innenstadtentwicklung Hauptplatz beschäftigt uns derzeit in den Ausschüssen, genauso wie der Eislaufplatz! Freude machen aber auch kleinere Projekte wie die Erweiterung des Spielplatzes am Iselkai oder die Planung von Proberäumen für unsere jungen Musiker. Die Stadt sprüht jedenfalls vor Ideen und es würde den Rahmen sprengen, alles aufzuzählen.

Dem Umbau des Bahnhofgeländes sehen viele BürgerInnen mit gemischten Gefühlen entgegen, ein absolutes Verkehrschaos wird befürchtet. Wie ist da Ihre Gefühlslage?
BLANIK: Die Baustelle Mobilitätszentrum ist natürlich eine Herausforderung für den Verkehr durch die Stadt. Wir arbeiten in vielen Sitzungen mit den Verkehrsplanern und dem Land Tirol daran, möglichst gute Lösungen für den Verkehrsfluss durch und in die Stadt zu entwickeln. Was bereits fixiert ist: Die B 100 wird während der Arbeiten auf den Bahnhofsvorplatz verlagert und zweispurig befahrbar sein. Aber ja, eine Baustelle ist eine Baustelle, weshalb ich schon jetzt um Verständnis für eventuell auftretende Unannehmlichkeiten bitte. Im Gegenzug erhalten wir einen zeitgemäßen Bahnhof und ein modernes Mobilitätszentrum. Auch die Errichtung der Fernwärme war damals eine herausfordernde Baustelle. Die gesamte Stadt war aufgegraben. Heute möchte niemand mehr die Annehmlichkeiten der Fernwärme missen.

Vor 15 Jahren erfolgte der Einstieg in die Lokal- bzw. Landespolitik. Welche Erfolge heften Sie seit dieser Zeit auf Ihre Fahnen?
BLANIK: Auf Landesebene kann ich schon feststellen, dass sich der Bezirk, auch in der Wahrnehmung in Nordtirol, jetzt durchaus anders darstellt. Wir sind im wahrsten Sinn des Wortes selbstbewusster und man erkennt, welches unglaubliche Potential in diesem Bezirk, seinen Menschen und seiner unglaublichen Schönheit steckt. Zu dieser Bewusstseinsänderung habe ich sicher beigetragen. Die Verlagerung von Einrichtungen aus Innsbruck in die Bezirke war und ist mein Schwerpunktthema seit ich im Landtag bin und trägt durchaus Früchte. Aber, wie auf allen politischen Ebenen, erreicht niemand alleine etwas. Es geht immer nur im Zusammenspiel mit anderen, die ebenfalls das Bestmögliche für den Bezirk erreichen möchten. Besonders freut mich derzeit die neue Förderung für Bauen im ländlichen Raum in der Wohnbauförderung. Ein Antrag von mir, der vor zehn Jahren das erste Mal im Landtag eingebracht und jetzt umgesetzt wurde. Politik, speziell Landespolitik, ist das Bohren harter Bretter. In der Stadtpolitik bin ich froh über das konstruktive Klima und die gute Zusammenarbeit trotz aller Unterschiedlichkeiten. Dadurch konnten echte Herzensangelegenheiten realisiert werden, wie beispielsweise der Ganzjahresganztageskindergarten, der Montessori-Kindergarten, das Vereinshaus, das Jugendzentrum mit der mobilen Jugendbetreuung, der Schulsozialarbeit in allen Schulen. Dass wir das Dolomitenbad erneuern und ein Tierheim errichten konnten genauso wie das neue Bergrettungsheim, an dem mehrere Gemeinden und engagierte Vereine mit beteiligt waren, erfüllt mich mit Freude. Genauso, dass wir gemeinsam im Planungsverband das Zukunftsprojekt Breitbandversorgung aufgesetzt haben. Hinzu kommen viele kleinere Projekte, wie das Stadt:Labor Lienz am Hauptplatz, in dem unmittelbare Diskussionen zu Projekten und Themen möglich sind.

Welches Thema brennt Ihnen unter den Nägeln?
BLANIK: Zentral wichtig im Bereich Tourismus ist sicher die Verlängerung der Saisonen durch neue Angebote im Frühjahr und Herbst. In einem Bürgerbeteiligungsprojekt haben wir uns ein Jahr lang mit der Erarbeitung von Zielgruppen und Angeboten auseinandergesetzt, natürlich mit Blick auf den Hochstein, und der Vorgabe, kein Projekt isoliert zu betrachten. Der Fokus sollte im Bereich der Zielgruppen auf Naturgenuss, Erholung und Entspannung mit Stadterleben gelegt werden.

Die Gemeinderats- und BürgermeisterInnen-Wahlen werden in drei Jahren geschlagen. Wieder mit Ihnen als Spitzenkandidatin der SPÖ?
BLANIK: Ja, sehr gerne kandidiere ich wieder als Bürgermeisterin und gemeinsam mit meinem Team für den Gemeinderat der Stadt Lienz. Bürgermeisterin dieser Stadt zu sein, ist die schönste Aufgabe und Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann.

Welche Aufgaben sollten bis zum Wahltag 2022 für Sie unter Dach und Fach sein?
BLANIK: Neben unzähligen anderen Projekten soll das Mobilitätszentrum fertig sein, die Nordschule in Bau und die Hauptplatzumgestaltung begonnen sein. Beim Eislaufplatz müssen zumindest klare Pläne vorhanden sein.

Was sagen Sie zu den Neuwahlen?
BLANIK: Ich bin zutiefst erschüttert über das Sittenbild, das uns momentan zwei Parteien auf Bundesebene zeigen. Es wird wieder einmal deutlich, dass die stabilen politischen Kräfte die Städte und Gemeinden sind. Also die, die nah an der Bevölkerung agieren, und, wie es Umfragen bestätigen, auch zu Recht mit dem größten Vertrauen ausgestattet sind. Wir werden also wählen, aber es muss schon auch erlaubt sein zu fragen, ob es verantwortungsvoll ist, schon die 2. Regierung zu sprengen.

0 0
Feed